News Details

U23 EM In Tallinn

16.07.2015 20:16 von Isabell-Sophie Teegen (Kommentare: 0)

10. Platz über die 10000m!

Knapp eine Woche ist nun seit meinem EM-Start vergangen und diese Zeit brauchte ich auch, um das Rennen zu verarbeiten. Die Reise nach Tallinn lief problemlos und die ersten Tage vor Ort vergingen wie im Fluge. Wir waren ein großes deutsches Team, sodass ich immer wieder auf neue Gesichter traf, interessante Gespräche führte und stets einen Trainingspartner an meiner Seite hatte. Die Zeit vor dem Rennen habe ich größtenteils in unserem netten Hotel verbracht, in dem man sich bei leckerem Essen und bequemen Betten nur wohlfühlen konnte. Am Wettkampftag stieg dann doch allmählich das Bauchkribbeln und meine fehlende Wettkampfroutine machte sich ein wenig bemerkbar:
Wie bin ich denn sonst immer mit der Nervösität umgegangen? Eines ist gewiss, besser als dieses Mal....

Aufgrund meiner Verletzung wusste ich nicht, auf welch einem Leistungsstand ich mich wirklich befinde. Vor dem Rennen habe ich mich noch einmal mit Sören und meinem Bundestrainer zusammengesetzt, um über die Taktik zu sprechen. Am Ende sagte mein Trainer nur: "Es kommt immer anders als man denkt!" Damit sollte er leider Recht behalten. Mein Start war um 19:15 Uhr und so war ich einfach nur glücklich als ich endlich ins Stadion fahren konnte und das Warten ein Ende hatte. In den vergangen Wochen und Monaten hatte ich so sehr für diesen Start gekämpft und mir vorgenommen an diesem Tag alles aus mir herauszuholen, was in mir steckt. Dass mir dies nicht gelungen ist, darüber bin ich immer noch sehr enttäuscht. Und dieses Gefühl, seine Chance nicht genutzt zu haben, möchte ich nie wieder erleben. Ich reihte mich am Anfang des Rennens ziemlich weit hinten ein, während sich nach 1km bereits vorne eine Gruppe abgesetzt hatte. Ich arbeitete mich langsam nach vorne bis ich schließlich die Verfolgergruppe anführte. Von der Spitzengruppe trennten uns nun bereits 100m. Leider fehlten mir in diesem Moment der Mut und das Vertrauen in meine Leistungsfähigkeit, um die entstandene Lücke zu schließen. Gewöhnlich gewinne ich mein Selbstvertrauen im Rennen aus den Trainingseinheiten und Wettkämpfen davor und diese Sicherheit fehlte. Dies ist eine Tatsache, an der ich zukünftig arbeiten muss, das ist mir einmal mehr deutlich geworden. Denn der Kopf bestimmt das Rennen, die Beine folgen nur! Die letzten 800m konnte ich beinahe in meinem 1500m Renntempo zurücklegen. Wem das gelingt, der hat zuvor definitiv etwas falsch gemacht. Als ich nach enttäuschenden 34:36min schließlich als 10. im Ziel stand und alle Konkurrentinnen neben mir zu Boden fielen, dachte ich nur: "Isabell, was hast du gerade nur angestellt!"

Mittlerweile kann ich nach dem Trubel der letzten 2 Monate mit dem 10. Platz leben und nehme aus dem Rennen vor allem eine Menge neuer und wichtiger Erfahrungen mit. Rückschläge gehören im Sport dazu und wenn man die richtigen Konsequenzen aus ihnen zieht, kann man an diesen wachsen. Das werde ich tun und freue mich schon auf die DM in Nürnberg am 25.7.! Rückblickend hatte ich trotzdem eine tolle und unvergessliche Zeit in Tallinn, und möchte mich bei ALLEN bedanken, die mich auf meinem Weg dorthin begleitet und unterstützt haben.

Eure Isabell

Zurück