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Halbmarathon-Debüt in Berlin

05.04.2016 20:16 von Isabell-Sophie Teegen (Kommentare: 0)

Halbmarathon-Debüt in Berlin

Team-EM-Norm für Amsterdam!

Es ist Dienstagmorgen und ich sitze ein wenig müde im Zug nach Berlin. Jaaa, schon wieder Berlin ;). In den letzten Tagen ist diese Stadt definitiv zu einer meiner Lieblingsstädte in Deutschland geworden. Heute wird dort allerdings nicht gelaufen, sondern der neue Nike Free Running vorgestellt!

Nun aber erstmal zum letzten Wochenende: Endlich war es soweit, der 3. April 2016 stand vor der Tür. Nach überstandenem Infekt im Winter blieben uns 8 Wochen zur Vorbereitung auf diesen Tag. Nicht besonders viel für einen Halbmarathon könnte man meinen, aber wir haben versucht diese Zeit optimal zu nutzen und uns Stück für Stück vorangearbeitet. Der große Tag nahte und im Laufe der letzten Woche war ich unglaublich aufgeregt. Mein erster großer Straßenlauf und dann auch gleich vier Mal so lang wie meine Hauptdistanz. Wer hatte sich das eigentlich überlegt? Wie lang solch ein Halbmarathon wirklich ist, habe ich wohl so richtig erst auf den letzten 6 Kilometern begriffen, aber dazu gleich mehr!

Bei strahlendem Sonnenschein reisten wir am Samstag nach Berlin, lockerten die Beine bei einem Läufchen im Tiergarten, füllten die Speicher mit leckerem Essen und stimmten uns beim Technical-Meeting auf das Rennen ein. Um 20:00 Uhr lag ich alleine auf meinem schnieken Hotelzimmer und wünschte mir den nächsten Tag herbei! Endlich war es soweit: Am nächsten Morgen klingelte um 6:00 Uhr der Wecker. Ich machte einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft und traf auf unzählige Athleten, die vor dem Hotel zu einem Auftaktlauf aufbrachen. Mir reichte vor 21,0975 Kilometern definitiv ein 10-minütiger Spaziergang ;). Zurück im Hotel frühstückte ich zwei Organic-Food-Bar Riegel (absolut genial vor dem Wettkampf!). Hunger hatte ich nicht wirklich, aber ich fühlte mich sehr gut gestärkt und so fuhren wir um 8:30 Uhr mit dem Shuttle an die Wettkampfstrecke. Dort traf ich auf meine drei Pace-Maker und meine Trainer und es war ein gutes Gefühl nicht mehr so allein mit seiner Aufregung zu sein. Beim Einlaufen stellte sich allmählich der "Tunnel" ein und ehe ich mich versah viel um 10:05 Uhr der Startschuss. Mit 32.000 Läufern an einer Startlinie zu stehen (und dann auch noch so weit vorne), ist ein unglaubliches Gefühl!!! Die Straßen waren dicht gesäumt von begeisterten Zuschauern und so verflogen die ersten Kilometer wie im Fluge. Ein grünes Schild nach dem anderen tauchte am Rand auf, Kilometer 1, 2 und 3... waren das etwa Seitenstiche, die sich da im rechten Rippenbogen bemerkbar machten? Nicht dran denken, einfach weiterlaufen! Der Schritt fühlte sich gut an, die Pace stimmte und wir hatten uns in einer tollen Truppe um die deutsche Favoritin Mona Stockhecke zusammengefunden. Immer wieder erblickte ich meinen Coach und Co-Coach auf dem Rad am Straßenrand. "Ihr macht das klasse, das sieht gut aus!", riefen uns die beiden zu. Was sollten sie auch anderes sagen? In der Tat lief aber alles nach Plan, als wir endlich die 10 Kilometermarke erreichten. Puuh... die Hälfte war geschafft! Doch was erwartete mich nun? Das war die große Frage, denn was jetzt kam, war im Wettkampf absolutes Neuland für mich. Bei Kilometer 12 signalisierten mir die Beine erste Zeichen der Erschöpfung. Nein! Das durfte jetzt noch nicht kommen. Ich hatte mir doch vorgenommen, mich bei Kilometer 15 noch gut zu fühlen. Allmählich zerfiel unsere Truppe und Mona ließ ein wenig abreißen. Jetzt!!! Das ist meine Chance, nun die Lücke reißen! Ich versuchte den Druck aufrechtzuerhalten, auch wenn die Schmerzen mit jedem Kilometer größer wurden. Wo blieben denn die grünen Schilder? Endlich, Kilometer 15 war in Sichtweite. Das gute Laufgefühl war mittlerweile zwar vollkommen verflogen, aber ich war erste Deutsche! Waaas? Erste???

Dieser Gedanke, die Unterstützung am Straßenrand (Sören, Ralph, Klaus, Lena und Stefan, ihr ward der Wahnsinn!) und meine kämpfenden Pace-Maker neben mir waren es, die mich trotzdem weiterlaufen ließen, auch wenn mein Körper den maximalen Erschöpfungszustand schon bei Kilometer 19 erreicht hatte. Wie lang können eigentlich 21,0975 Kilometer sein? Meine Beine schienen jegliche Kraft verloren zu haben und mein einziger Wunsch war nun, das Ziel noch laufend zu erreichen. Aber wo blieb nur das Ziel? Endlich,...die Zielgerade...ein Blick auf die Uhr...1:13,17min!!! Oh, mein Gott, die EM-Norm, ich kann sie noch schaffen! Einen Schlussspurt konnte man das wohl nicht mehr nennen was ich dann versuchte, aber irgendwie rannten und rannten und rannten meine Beine und nach 1:13,52min sackte ich im Ziel schreiend zu Boden! In den ersten Minuten spürte ich nur Schmerzen, doch danach war die Freude riesengroß und das einzige was jetzt noch lief waren meine Tränen. Tränen der Freude, der Dankbarkeit und der Erleichterung! Nach dem verkorksten letzten Jahr und der Durststrecke im Winter solch ein Halbmarathondebüt: Team-EM-Norm und beste Deutsche, das hätte ich mir nie erträumt! Einen riesen DANK an das ganze Team hinter mir! Ohne euch wäre dies niemals möglich gewesen! Gerade auf den letzten Kilometern hatte ich das Gefühl, ich laufe hier heute nicht alleine, da sind so viele Menschen die mich unterstützen!

Noch heute, zwei Tage nach dem Rennen bin ich einfach nur überglücklich, auch wenn meine körperliche Verfassung gerade katastrophal ist. Gehen kann ich immerhin schon wieder und mit dem Lauftraining werden wir ohenhin erst in einer Woche beginnen. Bis dahin habe ich mich wieder erholt. Da zeigt sich dann doch die etwas zu kurze Vorbereitungszeit und deshalb darf sich mein Körper nun ganz in Ruhe erholen. Wie lange das dauern wird, wer weiß das schon? Doch nach solch einem Rennen kann man beruhigt die Füße hochlegen :).

Wenn ihr jetzt noch nicht eingeschlafen seid, vielen Dank für euer Durchhaltevermögen! Beim nächsten Mal fasse ich mich wieder kürzer, aber was soll man machen, wenn das Rennen so lange dauert? Also, glaubt an eure Träume und niemals aufgeben!

Eure Isa

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